Gemeinsam mit den Sozialarbeiterinnen des Berufskollegs Viersen haben wir mehrere Workshops mit Berufsschülerinnen aus verschiedenen IFK-Klassen geplant und durchgeführt. Im Zentrum stand für uns die gemeinsame Auseinandersetzung mit Geschlechterrollen und ihrer Bedeutung für den schulischen, beruflichen und gesellschaftlichen Alltag. Ziel war es, Räume zu schaffen, in denen Erfahrungen, Wahrnehmungen und Fragen der Schüler:innen ernst genommen und gemeinsam reflektiert werden konnten.
Die Lebenswelten der Schüler:innen haben wir dabei bewusst als Ausgangspunkt gewählt. Anhand ihrer Erfahrungen sind wir über Geschlechterrollen und deren Entstehung im Zusammenspiel von Sozialisation, Peergroups, familiären Einflüssen und sozialen Medien ins Gespräch gekommen. Dabei zeigte sich schnell, dass Fragen von Geschlecht im Alltag der Jugendlichen häufig mit anderen Erfahrungen von Zuschreibung, Ausgrenzung und Ungleichbehandlung verwoben sind. In den Gesprächen wurden daher auch weitere Diskriminierungsdimensionen sichtbar, etwa im Zusammenhang mit Herkunft, Sprache, sozialer Lage oder Zuschreibungen im schulischen und beruflichen Kontext. Im Fokus stand, wie Rollenbilder Orientierung geben können, wo sie Erwartungen erzeugen und an welchen Stellen sie als einengend oder ausschließend erlebt werden – sowohl bezogen auf Geschlecht als auch in ihrer Verschränkung mit anderen gesellschaftlichen Ungleichheiten.
Die Workshops waren so gestaltet, dass die Schüler:innen miteinander und mit uns in einen offenen Diskurs treten konnten. Dieser Austausch stärkte die Reflexion eigener Sichtweisen und machte die Multiperspektivität des Themas sichtbar. Unterschiedliche Erfahrungen, Einschätzungen und Wahrnehmungen konnten nebeneinander stehen und wurden gemeinsam betrachtet, ohne sie zu vereinheitlichen oder zu bewerten.
Die Schüler:innen brachten ihre eigenen Perspektiven ein und reflektierten, wie sie Geschlechterrollen im Alltag erleben, wo diese hinterfragt werden und welche Auswirkungen sie auf das Miteinander haben – in der Schule, im beruflichen Kontext und darüber hinaus. Deutlich wurde, wie präsent diese Fragen im Alltag der Jugendlichen sind und wie differenziert sie sich mit ihnen auseinandersetzen.
Die Workshops mit den Berufsschüler:innen haben viel Freude gemacht, waren von konstruktiven Diskursen geprägt und zeigten einen sehr differenzierten Blick auf das Thema. Die Gespräche gingen in die Tiefe und boten viele Anknüpfungspunkte für weiteres gemeinsames Nachdenken. Wir bedanken uns für die gemeinsamen Workshops und freuen uns auf weitere Formate dieser Art.
